Samstag, 22. September 2012

»Bundeswehr wird ein hippes und cooles Image verpaßt«

Quelle: Junge Welt, 21. September 2012

"Rekrutenwerbung in Bravo: »krasse Wasserwettkämpfe« und »crazy Strandspiele«. Ein Gespräch mit Robert Fietzke [Mitglied unserer Jugendgruppe :-)]

Interview: Michael Schulze von Glaßer

Robert Fietzke ist Landesjugendkoordinator der Linkspartei in Sachsen-Anhalt und hat eine Protestgruppe gegen die Bundeswehr-Werbung im Jugendmagazin Bravo auf Facebook mitinitiiert

Die Bundeswehr wirbt zur Zeit auf den Internetseiten des Jugendmagazins Bravo für zwei Ferienlager.

Sie verspricht »Action, Adrenalin, Abenteuer«, »krasse Wasserwettkämpfe«, »crazy Strandspiele« und »Lagerfeuer-Partys« an einer »coolen Bundeswehrhütte«. Sie organisieren zur Zeit eine Kampagne gegen diese Werbung – mit welcher Begründung?


Seit Aussetzung der Wehrpflicht muß die Bundeswehr neue Rekruten finden, deswegen wirbt sie in Schulen, bei Sportfesten, auf Ausbildungsmessen und jetzt auch im Teeniemagazin Bravo um Nachwuchs. Die UN-Kinderrechtskonvention jedoch verlangt eindeutig eine Erziehung »im Geiste des Friedens« – dieser völkerrechtliche Vertrag wurde auch von Deutschland ratifiziert. Wir lehnen daher sämtliche Werbe-Methoden ab, die dagegen verstoßen.

Zielgruppe der Bravo sind nach deren eigenen Angaben die 10- bis 19jährigen. Die Teilnehmer der »Bundeswehr Adventure Camps«, die im Oktober stattfinden sollen, müssen zwar mindestens 16 Jahre alt sein – die schönfärberische und einseitige Werbung bekommen aber alle jüngeren Leser auch mit. So wird versucht, der Bundeswehr ein hippes, cooles und actionreiches Image zu verpassen, um den Soldatenberuf attraktiver zu machen. Junge und sehr junge Menschen werden hier in einem nicht vertretbarem Maße vom Militär beeinflußt.

Gegen Werbeaktionen der Bundeswehr gab es schon häufig Proteste. Medien, in denen die Bundeswehr wirbt, sind davon aber bisher verschont geblieben – wie wollen Sie die Bravo dazu bringen, die Kooperation mit dem Militär zu unterlassen?

Es gibt viele Möglichkeiten, das Thema in die Öffentlichkeit zu tragen. Eine davon ist unsere Facebook-Seite s. .) – man kann sich dort zum einen informieren, zum anderen auch dazu aufrufen, sich direkt bei der Bravo-Redaktion zu beschweren. Darüber hinaus bieten wir einen Mustertext für Schreiben an Verteidigungsminister Thomas de Maizière an sowie eine Vorlage für eine Beschwerde an den Deutschen Werberat. Auf diese Weise können sich die Leute bequem und schnell am Protest beteiligen. Das Verteidigungsministerium hat in einer uns vorliegenden Antwort auf ein solches Schreiben zugegeben, daß zur Zeit viele Mails und Briefe mit Beschwerden eintreffen.

Gibt es andere Organisationen, die Ihre Kampagne unterstützen?

Das Kinderhilfswerk »terre des hommes« (tdh) hat dieses Thema zuerst aufgegriffen. Auf seiner Webseite findet man eine Petition, die ähnlich argumentiert wie wir: Verletzung der Kinderrechtskonvention, insbesondere des Verbots der Anwerbung Minderjähriger.

Aus nur zwei Bundestagsparteien gab es bisher Reaktionen: Ulla Jelpke von der Linksfraktion fordert die sofortige Einstellung dieser Werbekooperation und fordert mehr Aufklärung über die Gefahren des Krieges, der Auslandseinsätze und des Soldatenberufs. Agnieszka Brugger von den Grünen sieht das ähnlich: »Eine Tätigkeit bei der Bundeswehr ist im Extremfall lebensgefährlich und kein Abenteuer«. Wir hoffen, daß das Thema recht schnell im Bundestag zur Sprache kommt.

Gibt es schon Reaktionen von Bundeswehr, Verteidigungsministerium oder vom Bauer-Verlag, dem Bravo gehört?

Bisher hat das Ministerium nur Einzelpersonen geantwortet. Vom Bauer-Verlag oder der Bundeswehr gab es noch keine Reaktionen auf unseren Protest. Wir freuen uns aber schon jetzt darauf, daß unsere Protestseite in Kürze mehr Fans haben wird als die Facebook-Seite des »Bundeswehr-Adventure-Camps«. Das ist ein deutliches Signal, gerade wenn man bedenkt, daß wir erst seit wenigen Tagen online sind!

>>> Petition unterschreiben! <<<

>>> Facebook-Seite 'BRAVO - Gut Getroffen' <<<

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