Donnerstag, 16. August 2012

Reaktion auf Leserbrief in der Volksstimme

Dass noch immer viel Arbeit in die Akzeptanz nicht-heterosexueller Partnerschaften investiert werden muss, verdeutlicht ein in der Volksstimme vom 15.08.2012 abgedruckter Leserbrief, den wir nicht unkommentiert stehen lassen können.

Eingriff in die menschliche Seele
Zu „Minister für Steuervorteile bei Homo-Ehen“, Volksstimme vom 8. August:
 Die Umdeutung unseres Grundgesetzes zugunsten einer Gleichstellung der Homo- mit der traditionellen Ehe ist ein einseitig rationaler Schachzug, der die Ebene unseres Instinkts und Gemüts rigoros übergeht. Das Urbild der Familie ist seit Jahrtausenden als Vater-Mutter-Kind in uns angelegt.
Wenn man dieses Bild aus seiner archetypischen Struktur „herausoperiert“ und durch einen rationalen Fremdkörper ersetzt, ist das ein tiefer Eingriff in die menschliche Seele, der gewaltige Umstellungen erforderlich macht. Unsere Anpassungsfähigkeit ist aber seit Jahrzehnten belastet durch die Schnelllebigkeit technischen Fortschritts, das Verblassen gemüthafter Kräfte und die Integration fremder Kulturen in unseren gewachsenen gesellschaftlichen Organismus.
Wir werden gar nicht gefragt, ob und wie wir damit klarkommen,  sondern müssen freundliche Miene zu allem machen, was man uns aufs Auge drückt und an Vertrautheit, Geborgenheit und Heimat nimmt. Wer das nicht kann, wird moralisch als „intolerant“ abgewertet. Wie lange noch kann unser Staat die kollektiven Ängste und Aggressionen unter  Kontrolle halten, die aus der Unterdrückung gemüts- und instinktgebundener Werte entstehen?
Für mein Empfinden orientiert man sich zu sehr am seelisch zwar flexiblen, aber oft entwurzelten, Großstädter. Wie würde wohl unsere bodenständige und naturgebundene Landbevölkerung in einem  Volksentscheid über die Homo-Familie abstimmen?
Lucia Tentrop, Berlin

Der Artikel strotzt nur so vor homophoben Ressentiments, Xenophobie, Opfermythos, sowie einem völkischem Sprachduktus, der insbesondere Ultrakonservative, als auch Deutschnationale, ansprechen soll und ihnen mitunter einen Ehrenplatz wert sein wird, sodass wir uns fragen müssen, wie dieser die Diskriminierung einer Menschengruppe hochhaltende Artikel es durch das Lektorat der Volksstimme schaffen konnte.

Die Öffnung der Ehe gegenüber homosexuellen Paaren ist eine aus dem Grundgesetz und dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz ableitbare, sich logisch ergebende Forderung, die es seit Jahren umzusetzen gilt. Tagtäglich werden gleichgeschlechtliche Paare inmitten unserer Gesellschaft, die sich selbst als weltoffen und tolerant sieht, diskriminiert und allein aufgrund ihrer Lebensweise ungleich behandelt. Homosexuellen in der sogenannten Eingetragenen Lebenspartnerschaft wurden bereits die selben Pflichten auferlegt, wie verehelichten Paaren. Allein, ihnen wurden bis heute noch nicht die gleichen Rechte zugestanden, sodass ihnen beispielsweise das Ehegattensplitting verwehrt bleibt, oder dass sie im Adoptionsrecht ungleich behandelt werden.

Das Bundesverfassungsgericht hat jüngst entschieden, dass der grundgesetzlich verankerte besondere Schutz der Ehe nicht dafür missbraucht werden darf, andere Lebensweisen zu diskriminieren und schlechter zu stellen. Intolerant sind demnach genau jene Menschen, die homosexuellen Paaren die Gleichheit verwehren und nicht ertragen können, wenn sie nicht ihrem vorgestrigen Rollenmodell entsprechen und gemäß ihres Familienbilds leben.

Dass Homophobie noch immer weit verbreitet ist und mitunter an Stammtischen große Akzeptanz erfährt, ist kein Geheimnis. Es ist an uns klarzumachen, dass die Liebe und Partnerschaft zwischen zwei Menschen ein kostbares und schützenswertes Gut ist, völlig gleich welche Geschlechter(-konstruktionen) dabei involviert sind. Als Linksjugend ['solid] & SDS.Die Linke wollen wir deswegen am 18.08. aktiv auf dem Christopher Street Day in Magdeburg Präsenz zeigen und für die Rechte Homosexueller werben und diese einfordern.

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