Dienstag, 14. Mai 2013

Vortragsreihe: Über die Unterdrückung von Mensch und Tier

Hier der Hinweis auf eine Veranstaltungsreihe der Antispe Magdeburg:

Verbindungen von Speziesismus, Rassismus, Sexismus und Kapitalismus
Unity Of Oppression und Intersektionaltiät
mit Andre Gamerschlag
23.05. | 19 Uhr | Infoladen Salbke - Libertäres Zentrum - Alt Salbke 144

Zoos - Unrechtmäßige Völkerschau mit nichtmenschlichen Tieren
mit Frank Albrecht
27.05 | 19 Uhr | BUND - Olvenstedter Straße 10

Wer sich für Tiere einsetzt, würdigt Menschen herab?!
Eine Analyse linker Kritik an der Tierrechts- und Tierbefreiungsbewegung
mit Markus Kurth
30.05 | 19 Uhr | BUND - Olvenstedter Straße 10




Speziesismus beschreibt die Ausbeutung der Tiere durch den Menschen, begründet allein auf deren Andersartigkeit. Hierbei wird aber die eigene homogen gruppe des Menschen zuerst mit Attributen aufgewertet, um sich gegen die sogenannte „andere“ Gruppe, mit deren negativ besetzten Eigenschaften, abzugrenzen, ein Herrschaftsverhältnis aufzubauen und Ausbeutung zu legitimieren. Dieser Prozess, als „Othering“ bezeichnet, ist nicht nur beim Mensch-Tier-Verhältnis zu finden, sondern bei allen vorherrschenden Unterdrückungsmechanismen, was in dieser Vortragsreihe versucht wird näher zu bringen. Neben einer genaueren Beleuchtung der Ausbeutung und Unterdrückung von Tieren in Zoos, wird in dieser Reihe ebenso die Analogie von Unterdrückungsmechanismen zwischen Menschen näher dargestellt, wie sie funktionieren, wo sie auftreten und wie sie vor allem in der kapitalistischen Verwertungslogik eingebettet sind. Zum anderen werden wir uns mit einer Analyse linker Kritiken an der Tierrechts/ befreiungsbewegung auseinander setzen, versuchen diese zu entkräften oder auch eigene kritische Reflexionen daraus ziehen.

Diese Vortragsreihe dient als Teil des am 8.juni statt findenden veganen Straßenfests „vegan… and more“, welches ein Versuch darstellen soll, mit den vorherrschenden bürgerlich-ethischen Konsumeinstellung zu brechen.

Andre Gamerschlag:
In den frühen 1990ern hielten in der radikalen Linken, durch den Feminismus angestoßene, Überlegungen über die Mehrfachunterdrückung (durch Sexismus, Rassismus und Kapitalismus) Einzug, die Mitte der 1990er durch die Tierrechtsbewegung um die Kategorie “Spezies” bzw. “Nicht-Mensch” im Unity-of-Oppression-Konzept erweitert wurden. Während dieser Ansatz in den letzten 10 Jahren an Gewicht verloren hat, boomt inzwischen eine ähnlich gelagerte Diskussion in wissenschaftlichen Kreisen, die Parallelen zur Unity-of-Oppression-These der Tierrechtsbewegung aufweist, die Intersektionalität. Dabei geht es um die Analyse von Verbindungen zwischen verschiedenen Formen der Ungleichheit, Benachteiligung etc. und deren Einbettung im Kapitalismus. In dieser Veranstaltung soll der Werdegang von Triple Oppression zur Unity of Oppression nachgezeichnet und das Modell der Intersektionalität dargestellt und in Hinblick auf seine Relevanz für die Analyse von Gesellschaftlichen Mensch-Tier-Verhältnissen ausgeleuchtet werden. Ein mögliches Thema für die anschließende Diskussion könnte etwa die Kontroverse zwischen dem sich als „emanzipatorisch“ bezeichnenden Flügel und dem sogenannten „Hauptsache-Für-Die-Tiere“ oder „Single-Issue“ Flügel der Tierrechts-/Tierbefreiungsbewegung sein. Muss die Verwobenheit von Herrschaftsformen wirklich zwingend dazu führen, dass Tierrechtspositionen und Argumentationen immer Gesellschaftskritik betreiben müssen?
Der Vortrag betrifft politische und wissenschaftliche Themen und kann in beide Richtungen diskutiert werden. Trotz der theoretischen Dichte wird er möglich einfach und verständlich dargestellt. Verständnisfragen sind jeder Zeit willkommen.

Frank Albrecht:
Seit 20 Jahren beschäftigt sich Tierrechtler Frank Albrecht mit so genannten Wildtieren in der Zoo-Gefangenschaft. Im Laufe der Jahre hat er etliche Skandale über tierquälerische Haltungsbedingungen, den dubiosen Zoo-Tierhandel und sonstigen Missbrauch von nichtmenschlichen Tieren durch deutsche Zoo-SpeziesistInnen aufgedeckt. In seiner Arbeit hat er sich besonders darauf spezialisiert, die unendlichen Märchen der Zoos zu enttarnen und die Öffentlichkeit darüber aufzuklären. So hat u.a. seine Dokumentation um die todbringende "Delfinhaltung im Tiergarten Nürnberg" dazu beigetragen, dass Tierschutzverbände heute eine stichhaltige Kritik zur Verfügung steht. Auch seine detaillierte Kritik um die Handaufzucht von Eisbär Knut und der deutschen Eisbärenhaltung im Allgemeinen hat zum weltweiten Medienecho geführt und diese tierquälerische Gefangenschaftshaltung in das richtige Licht gerückt. Mittlerweise hat Albrecht mehr als 100 Zoos in ganz Europa besucht und deren Tierhaltung dokumentiert und analysiert. Seit Januar 2012 arbeite er in der von ihm mitgegründeten österreichisch-deutschen Organisation "EndZOO". In seinem Vortrag wird er über die angebliche Erhaltungszucht, den dubiosen Tierhandel der Zoos, der Rolle deutscher Zoos im so genannten "Zootier-Handel" über die Unwahrheiten der Zoos von damals und heute und über seine bisherige und aktuelle Arbeit berichten.

Markus Kurth:
Tierrechts- und Tierbefreiungsbewegung auseinandersetzten. Mit dem praktischen wie theoretischen Erstarken der Tierrechts- und Tierbefreiungsbewegung stieg auch die Zahl ihrer linken Kritiker_innen. In zahlreichen Texten wird sich mit diversen Ansprüchen, Zielen und Interessen an vermeintlichen oder tatsächlichen Argumenten für Tierrechte, Tierbefreiung, Antispeziesismus und Veganismus abgearbeitet – es wird polemisiert, polarisiert, diskutiert.

Zunächst wird der Vortrag einen Überblick über verschiedene kritische Texte, ihre Erwiderungen und Kontexte geben, um sich in der Hauptsache den dort vorgetragenen Argumentationen zu widmen: Welche Argumente werden wieder und wieder vorgebracht? Inwiefern wiederholen sich dabei nur aus anderen Kontexten bekannte Aussagen? Welche Punkte sind insbesondere für linke Debatten relevant? Welche Stilmittel werden eingesetzt, um die eigenen Argumente glaubhafter wirken zu lassen? Und nicht zuletzt: Was ist dran an der vorgebrachten Kritik und was kann ihr entgegengesetzt werden? In abschließenden Thesen werden die grundsätzlichen Gegensätze herausgearbeitet, welche diese Auseinandersetzungen prägen und dafür sorgen, dass sich auch in Zukunft weder Diskussionsstile noch Argumentationen grundsätzlich ändern werden.

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