Wie lebt es sich in
anderen Ländern? Welche gesellschaftlichen
Phänomene sind international? Was erleben Menschen, die
aus anderen Ländern nach Deutschland kommen? Vor knapp einem Jahr haben wir den Versuch unternommen, eine spannende, interessante, kontroverse und groß angelegte Filmreihe aufzuziehen. Mit knapp 200 Besucher_innen und vier großartigen Filmen, beeindruckenden Diskussionspartner_innen, einigen Tränen (erinnert sei an die Schlussszene aus waltz with bashir), aber auch Lachern ("Zug des Lebens". Großartig!) ist uns das defnitiv gelungen. Wir fanden: der Aufwand hat sich gelohnt - das müssen wir wiederholen! Aus diesem Grund können wir euch auch im Jahr 2013 wieder vier spannende Filmabende präsentieren. Und zwar kostenlos.
Der Fall Chodorkowski
04. April | 19 Uhr | Eine-Welt-Haus, Schellingstraße 3-4
Nowosibirsk am 25. Oktober 2003. Eine russische Spezialeinheit stürmt
den Privatjet von Michail Borissowitsch Chodorkowski. So endet abrupt
die Karriere des reichsten Manns Russlands. Spannend wie in einem
Politthriller zeigt der Berliner Filmemacher Cyril Tuschi den Aufstieg Aktivisten und ersten Gründer einer russischen Privatbank wird
schnell ein einflussreicher Banker und Geschäftsmann, der von
Gorbatschow und Jelzin protegiert wird. Chodorkowski übernimmt die
Mineralölfirma YUKOS, die er nach westlichem Vorbild transparent führt.
Dabei wird er immer reicher und mächtiger. Er gründet Stiftungen wie
„Offenes Russland“ und unterstützt die politische Opposition. Als er
sich öffentlich mit Präsident Putin anlegt und die Amerikaner bei YUKOS
mit ins Boot holt, wird es dem Kreml zu viel. Nach einigen Warnungen und
Einschüchterungsmanövern lässt der Staat Michail Chodorkowski wegen
Korruption und Steuerhinterziehung verhaften und verurteilen. Bis
voraussichtlich 2016 sitzt er noch in Haft. Für viele ist er der
prominenteste politische Gefangene in Russland, andere nennen ihn
schlicht einen Kriminellen. Wie gut kennen wir eigentlich die
politischen (Macht)verhältnisse im Russland von heute?
Let's break (Adil geht)
09. April | 20 Uhr | Eine-Welt-Haus, Schellingstraße 3-4 in Kooperation mit Romanodrom e.V. & DIE LINKE. Magdeburg, anlässlich des
internationalen Tages der Roma. Mit anschließender Diskussion: Frauke
Sonnenburg, Romanodrom e.V., VertreterInnen der Sinti- und Roma-Community,
Henriette Quade, flüchtlingspolitische Sprecherin der LINKEn Landtagsfraktion Was heißt es, in Deutschland ein Leben auf Abruf zu führen? Was heißt es
immer mit der Angst
leben zu müssen, ausgewiesen zu werden? Was bedeutet
Heimat? Adil, Jonni, Elvis und Idris sind mit ihren Familien geduldete
Kriegsflüchtlinge aus dem Kosovo und leben im thüringischen Altenburg.
Als sie sich auf einen Breakdance-Wettbewerb vorbereiten, erfahren sie,
dass Adils Abschiebung bevorsteht. Adil sucht nach einem Weg, zumindest
noch am Wettbewerb teilnehmen zu können. Und: er erlebt seine erste
große Liebe. Währenddessen beschließt Idris, ein Abschiedsvideo für ihn
aufzunehmen, und lässt darin die Mitglieder ihrer Clique zu Wort kommen.
Die von Laiendarstellern gespielten jungen Albaner und Roma aus dem
Kosovo verbindet in Deutschland ihre Freundschaft, während sie im
Bürgerkrieg Feinde gewesen wären. Plakativ wird ihnen die unmenschliche
Staatsmacht gegenübergestellt, die keinerlei Rücksicht auf persönliche
Notsituationen nimmt.
Mein bester Feind
16. April | 19 Uhr | Uni-Bibliothek Magdeburg Victor Kaufmann, Spross einer reichen jüdischen Galeristenfamilie in
Wien, und Rudi Smekal,
Sohn der einstigen Haushälterin der Familie, sind
Freunde seit Kindertagen. Im Zuge des Anschlusses Österreichs stellt
sich heraus, dass Rudi schon seit einiger Zeit Mitglied der NSDAP ist
und auf eine Karriere bei der SS hofft. Rudi verrät der NS-Führung, dass
sich eine Original-Zeichnung von Leonardo da Vinci im Besitz der Familie
Kaufmann befindet. Diese wird beschlagnahmt und soll dem Verbündeten
Mussolini feierlich überreicht werden. Die Kaufmanns werden inzwischen
ins KZ deportiert, Rudi lebt in ihrer Villa und verlobt sich zudem mit
Victors Freundin Lena. Dann stellt sich heraus, dass es sich bei der
Zeichnung um eine Fälschung handelt und es beginnt eine Suche nach dam
Original, in deren Verlauf es zu einem makabren Rollentausch zwischen
dem SS-Mann Rudi und dem KZ-Häftling Victor kommt …
Inside Job*
23. April | 19 Uhr | Uni Magdeburg, Gebäude 22A, Raum 013
In seinem Film Inside Job beleuchtet Oscar-Gewinner Charles Ferguson (No
End In Sight) die
Hintergründe der globalen Finanzkrise, deren Folgen
immer noch nicht ausgestanden sind. 20 Billionen US-Dollar wurden
vernichtet und Millionen von Menschen verloren ihre Arbeitsplätze und
auch ihr Heim, doch niemand scheint wirklich verantwortlich zu sein. In
seinem Film verfolgt Ferguson den Aufstieg verantwortungsloser
Finanzjongleure und untersucht das korrupte Geflecht aus Banken,
Politik, Behörden und Wissenschaft. Sprecher der Original-Fassung ist
Matt Damon. Der Film erhielt 2011 in der Kategorie "Beste Dokumentation"
einen Oscar.
*Der Filmabend dient u.a. als Auftakt zu unserem antikapitalistischen Lesekreis im Mai, welcher zwei Wochen später an der Uni Magdeburg beginnen wird.
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