Freitag, 17. Mai 2013

Die Volksstimme der Katholiban

Die Volksstimme brachte am 14.05.2013 in ihrer Print- sowie ihrer Online-Ausgabe ein Portrait über eine gewisse Hedwig Freifrau von Beverfoerde. Auf einer dreiviertel Seite und, für Volksstimme-Artikel ungewöhnlich ausschweifenden 3 Seiten online, wurde von Beverfoerde Platz einberaumt, unwidersprochen ihre rückwärtsgewandten und menschenverachtenden Theorien zu verbreiten und zu popularisieren.

FundamentalistInnen in der CDU: C wie Katholiban

Unter dem Titel »Homo-Ehe? “Dann trete ich aus der CDU aus“« wettert sie gegen die Öffnung der Ehe für Homosexuelle. Dass es inzwischen auch einigen CDU-Granden dämmert, dass demnächst wohl das Bundesverfassungsgericht die völlige rechtliche Gleichstellung von Eingetragener Lebenspartnerschaft – ohnehin schon Homo-Ehe genannt und Ehe fordern wird, ist ihr ein Dorn im Auge, da es ihrer Ansicht nach »das in der Union vielbeschworene christliche Menschenbild« endgültig abschaffen würde. 


Hedwig von Beverfoerde ist niemand Unbekanntes. Sie saß bereits mehrmals in Talkshows des öffentlich-rechtlichen Fernsehens und propagierte dort ihre erzkonservativen Ansichten zu Kindern, Familie oder eben Homosexualität. Sie schreibt für marktradikale Medien, wie die von AntifeministInnen hofierte »Freie Welt«, das konservativ-katholische »kath.net«, publiziert unter Zuhilfenahme von NS-Rhetorik in der »Welt«, und ist Sprecherin der reaktionären »Initiative Familienschutz«, die sich um die Pflege des Rollenbildes der Hausfrau und Mutter in Abhängigkeit eines erwerbstätigen Mannes bemüht.

Der Volksstimme entnimmt man nun, dass die Katholikin an ihren »Grundwerte[n]« festhielte, und das obwohl der »Meinungstrend in der Gesellschaft gerade umschwenkt«. Das hört sich beinahe schon heroisch an. Tapfer geradezu, wahr und aufrichtig. Und genau diesen Eindruck versucht der Autor Christopher Kissmann den Leser*innen zu vermitteln, indem er der ersichtlich Homophoben wohlwollende Textpassagen zuschustert, die ihre vermeintliche Objektivität in der Debatte untermauern sollen. So meint Kissmann über von Beverfoerde: »Sie wird nicht laut, sondern argumentiert sachlich«.

Ich habe nichts gegen Homosexuelle, aber...

Doch die attestierte Sachlichkeit ist keine. Natürlich will von Beverfoerde »absolut nichts gegen Homosexuelle« haben. Wäre da nicht die verflixte Aversion gegen sie.
In dem Artikel beruft sie sich auf das biologistische Argumentationsmuster der »Natur des Menschen«, predigt von einer göttlichen Ordnung der Geschlechter und stellt Homosexuelle und andere nicht-heteronormative Lebensweisen indirekt als widernatürlich, als abnormal und letztlich als bekämpfenswert dar. Hier werden eindeutig Grenzen überschritten, die wir nicht unwidersprochen lassen können. Die Volksstimme macht sich die altbewährte »Das wird man doch wohl noch sagen dürfen«-Rhetorik als Feigenblatt für die Publikation eines religiös-fundamentalistischen Weltbilds zu Nutzen.

Dass die Katholiban und andere reaktionäre Kräfte in der Debatte um die Gleichstellung homosexueller Lebensweisen in pawlowscher Manier Gift und Galle spucken, ist hinlänglich bekannt. Ein Blick nach Frankreich genügt, wo Homosexuelle auf offener Straße krankenhausreif gepügelt werden, wie der Pariser Wilfred de Bruijn, nur weil er mit seinem Partner Arm in Arm durch die Stadt spazierte. Nun reiht sich auch das sachsen-anhaltinische Blatt in die Reihe derjenigen ein, denjenigen eine öffentliche Stimme zu verleihen, die Wasser auf die Mühlen der HomohasserInnen sind und ebnet damit den Weg für eine weitere Radikalisierung der Ewiggestrigen.

Die Rolle der Volksstimme als lokales Organ des konservativen Backslashs, der seit einiger Zeit beobachtet werden kann, fällt uns nicht zum ersten Mal auf. Bereits im August 2012 druckte sie in ihrer Print-Ausgabe einen Leserbrief ab, der vor homophoben Ressentiments, Xenophobie, Opfermythos und einem völkischem Sprachduktus nur so strotzte.

HomohasserInnen raus aus den Medien

Der Theologe David Berger forderte unlängst in einem Artikel »Homohasser raus aus den Talkshows!«. Wir möchten diese Forderung aufgreifen und weiter generalisieren: Nicht nur aus den Talkshows HomohasserInnen raus aus den Medien.

Auch aus der Volksstimme. Denn Hetze, Diffamierung, Beleidigung und Abwertung von Minderheiten sind keine Meinung. Es sind Grenzüberschreitungen, die ohnehin schon Marginalisierte weiter stigmatisieren und ausgrenzen sollen, um die eigenen bequem – denn zumeist durch glückliche Geburt – erlangten Privilegien nicht hinterfragen zu müssen. Es zeugt entgegen des sofort aufkommenden Zensur-Geheules eben nicht von Ausgewogenheit in Diskussionen und Debatten, wenn Leute eingeladen werden oder ihnen eine Plattform gegeben wird, um anderen ihre Natürlichkeit und einen Teil ihres Menschseins abzusprechen. Es ist nicht sachlich Hass gegen Personen salonfähig zu machen. Und vor allem ist es keine Zensur. Sondern wäre ein Bekenntnis dazu, die bei weitem noch nicht gleichgestellte Situation von NichtheteropartnerInnenschaften, nicht weiter gesellschaftlich akzeptiert zu torpedieren und aus Profitgier reißerische Storys abzudrucken.

Insofern erwarten wir eine Entschuldigung von der Volksstimme sowie das Versprechen, Menschen aus der LSBTI-Community Platz für ihre eigenen Ausführungen zum Thema in mindestens gleichem Umfang zur Verfügung zu stellen.

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