Wir hören zwar eine Menge aus Griechenland, meist davon, dass die "faulen" "Pleite-Griechen" wieder einmal Geld für verstorbene Rentner aus den Sparpaketen vergeben haben, dass gefälligst die griechischen Inseln liquidiert werden sollen und dass die nicht mit Geld umgehen könnenden Griechen endlich, endlich, ENDLICH ihre Akropolis für Filmaufnahmen freigegeben haben. Als ob die mangelnde griechische Disziplin nicht schon genug wäre, müssen wir erfahren, dass bei den jüngsten Wahlen Extremisten, links wie rechts, gewonnen haben und Europa somit wieder einmal endgültig und unabwendbar am Abgrund steht, während Griechenland "Chaos-Sirtaki" tanzt. Wir wissen also scheinbar bestens Bescheid.

Dazu haben wir Kostis Bennig, seines Zeichens griechischer Student an der TU Athen und Aktivist bei SYRIZA, zu einer Podiumsdiskussion am 9. Mai eingeladen. Gemeinsam mit Anne vom Bundesvorstand von SDS.Die Linke ging Kostis auf die derzeitige Situation auf der hellenischen Republik ein und gab einen Überblick über aktuelle Entwicklungen, insbesondere vor dem Hintergrund der jünsten Wahlen.
Das Linksbündis SYRIZA ist der eindeutige Gewinner der letzten Wahl und konnte Wählerstimmen aktiveren, die die Aktivist_innen selber nicht für möglich gehalten haben. Obwohl das Bündnis in der politischen Landschaft Griechenlands noch nicht sehr vertreten ist, also noch nicht viele Bürgermeister_innen, Landesvertreter_innen oder der gleichen von SYRIZA gestellt werden, wurden in der letzten Wahl insbesondere in den großen Städten (bspw. Rethymno oder Irakleio auf Kreta) atemberaubende Wahlergebnisse erzielt. So gut wie jede größere Stadt wählte die Linken auf den ersten oder zweiten Platz.
Wie enorm diese Ergebnisse sind, lässt sich einschätzen, wenn man sich vor Augen hält, dass die Griechinnen und Griechen linke Parteien in den vergangenen Jahren eher mit dem Ziel einer starken parlamentarischen Opposition wählten. Der Wahlsieg SYRIZAs bedeutet nun eine Neuorientierung des politischen Geistes und Ausrichtung auf eine Regierungsbeteiligung, wie Kostis aus Gesprächen mit den Menschen vor Ort berichtete.
Der Gesellschaft bereitet laut Kostis Sorge, dass mit dem Einzug der Partei Chrysi Avgi auch ein Wiedererstarken des nationalistischen und faschistischen Gedankens in Griechenlads Politik Einzug hält. Der Erfolg der Faschisten ist dabei nicht zuletzt auch durch geschürte antigriechische und antieuropäische Ressentiments zu erklären, die sich beispielsweise sichtbar in Karikaturen gezeigt haben. Auch die alarmierend hohe Arbeitslosigkeit, die sich seit Beginn der Sparmaßnahmen verdreifacht hat und unter Jugendlichen bei derzeit 53,8% steht, ist Wasser auf die Mühlen der Nazis.

Wir unterstützen den Aufruf zu "Blockupy Frankfurt" vom 16. bis 19. Mai auch trotz der einstweiligen Verfügung, die die vom demokratischen Grundrecht auf Demonstrationen gedeckte Veranstaltung untersagt. Der Sparimperialismus unter der Ägide der Troika gehört an den Pranger und nur durch Solidarität auf der Straße können auch wir hier eine Linderung der Diktate für die Gesellschaften in Griechenland, Spanien oder Portugal erreichen. Mitte dieser Woche gilt es vor dem Antlitz des deutschen Finanzzentrums gegen die rigide und unökonomische Austeritätspolitik demonstrieren.

Vielen Dank für den Bericht, war eine tolle Veranstaltung!
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