Donnerstag, 10. Mai 2012

Hochschulwahlen - OLLi (Offene Linke Liste)

Selbstverständnis 

Wir, die Offene Linke Liste (OLLi), sind Studierende der OvGU Magdeburg, die aus ganz verschiedenen linken und alternativen Zusammenhängen kommen. Was uns eint, ist das Bewusstsein, dass eine Universität kein bloßer Ort von “objektiver“ Wissensvermittlung ist, fernab jeder sozialen Realität und Normierung. Vielmehr begreifen wir gerade die Hochschule als einen politischen Ort, an dem die sozialen Kämpfe unserer Gegenwart ebenso intensiv geführt werden, wie in allen anderen Teilen unserer Gesellschaft auch. Der ganz normale Wahnsinn des Bestehenden spiegelt sich eben auch in den Vorlesungen und Seminaren oder in den alltäglichen / allabendlichen Campusleben wieder. Prekäre Arbeits-, Lern- und Lebensverhältnisse prägen das Leben und Umfeld vieler Studierenden und auch Mitarbeiter_innen unserer Universität. Eine engagierte Studierendenschaft muss für diese Probleme ebenso Antworten suchen, wie sie sich gesamtgesellschaftlich solidarisch zeigen sollte.

Wir haben keine allgemeingültige Wahrheit gepachtet. Wir wollen mit euch, Kommiliton_innen und anderen Universitätsangehörigen, gemeinsam nach vielfältigen Lösungsmöglichkeiten für momentane, präsente und akute Probleme suchen. Einige erste Ideen von uns könnt ihr hier nachlesen.


Themen

Antifaschistische und antirassistische Universität
Magdeburg hat ein Naziproblem, wie viele andere Städte auch. Getreu dem Motto „Keinen Fußbreit den Faschisten“, wollen wir uns für die Einführung einer Antifaschismusklausel in der Uni-Satzung einsetzen und fordern mehr Engagement gegen Rechts und für emanzipatorische Politik seitens der Universität.

BAFöG-Erhöhung statt Elitestipendien
Ein Großteil der Studierenden muss “nebenbei“ arbeiten gehen. Dies liegt auch daran, dass eine notwendige BAFöG-Erhöhung seit Jahren von der Bundespolitik verweigert wird. Wir werden uns im bundesweiten Kampf für eine angemessene BAFöG-Erhöhung einsetzen, die mehr als ein Inflationsausgleich ist.

Barrierefreie Universität 
Wir wollen, dass jeder Mensch potentiell Zugang zu Bildung erhält. Auch eine Universität sollte ein integrativer Raum für alle Menschen werden. Deshalb fordern wir die Universität auf, universitäre Angebote so zu gestalten, dass sie auch von Menschen mit körperlichen und geistigen Behinderungen wahrgenommen werden können. Dazu gehört sowohl der vollständige Um- und Ausbau aller Gebäude und Wege hinsichtlich physischer Barrierefreiheit als auch die Sensiblisierung für den Abbau nicht-physicher Barrieren, insbesondere den Barrieren in den Köpfen.
Darüber hinaus muss eine barrierefreie Universität sich auch als Ansprechpartnerin für Menschen verstehen, die aus anderen ganz persönlichen Gründen sich dem Leistungsdiktat unserer Welt nicht unterwerfen wollen oder können. Besondere Unterstützung müssen deshalb auch Menschen mit Lernproblemen, mit Kindern, pflegebedürftigen Angehörigen, usw. erhalten.
Für all diese Menschen müssen Regelungen zu BAFöG und Regelstudienzeiten gemildert, in begründeten Fällen auch ganz abgeschafft werden.

Bildung statt Bologna
Wir werden unsere schon im Bildungsstreik postulierten Ziele weiter verfolgen: Wir wollen eine Universität mit freien Lehrinhalten, weniger Hierarchien und weniger Verschulung. Hochschulen müssen Räume für gemeinsames Lernen bieten, statt Einpaukerei. Dafür ist auch mehr Geld notwendig, für kleinere Seminare und bessere Ausstattung, für mehr Lehrpersonal und breitere Angebote.
Statt Hochpezialisierung ohne Basiskenntnisse, die letztendlich nur erpressbar macht, in eine Form moderner Versklavung führt und Menschen dazu zwingt, sich in der akademischen Welt oder freien Wirtschaft zu prostituieren um einen gewissen Lebensstandard zu erreichen, muss ein Hochschulstudium auch berufsunabhängige Fähigkeiten und Fertigkeiten vermitteln:
Fähigkeit zu konstruktivem kritischen Denken
Fähigkeit zu Weitblick und Umsicht und verantwortung von Wissenschaft in und für die Gesellschaft
Fähigkeit zu geistiger Flexibilität und Unabhängigkeit, Arbeiten in Netzwerken zur Problemlösung oder Lösungsoptimierung
Förderung autodidaktischer Fähigkeiten, sozialer Kontakte und Kompetenzen, Selbstkritik, Empathie, Lernen aus Fehlern (Feedback), Konsensfähigkeit, usw.
so genannte soft skills dürfen deshalb nicht auf wirtschaftliche Verwertbarkeit orientiert werden, sondern müssen gesellschaftlichen Anforderungen genügen

Bio und vegan statt Käfig-Eier und toter Tiere
Unsere Mensa bietet schon heute für viele Hochschulangehörige leckeres Essen. Ausgeschlossen bleiben aber bis heute Menschen, die sich vegan ernähren. Deshalb fordern wir, dass mindestens eine Mahlzeit pro Tag vegan zubereitet wird. Des Weiteren fordern wir gesündere (Bio-)Kost, Fairtrade-Produkte und die Einführung eines Grünen Donnerstags als fleischlosen Tag. Vegetarisch und vegan ist nicht nur lecker, es schützt auch unsere Umwelt und das Klima.

Direkte Mitbestimmung statt Scheindemokratie
Allen macht die geringe Wahlbeteiligung der Studierenden Sorgen. Unserer Meinung nach liegt dies unter anderem daran, dass der wirkliche Einfluss von Studierenden relativ gering erscheint. Hier müssen wir ran: Wir wollen Studierenden mehr direkte Mitbestimmungsmöglichkeiten schaffen, u.a. bei der Mittelverteilung im FasRa und StuRa, bei einer möglichen Erweiterung des Semestertickets usw. Und wir kämpfen weiter für die Viertelparität aller Gremien: Gleiche Stimmanzahl für Professor_innen, Dozent_innen, weitere Universitätsangehörige und Studierende!

Familienfreundliche Universität – aber richtig!
Jahrelang haben wir mit dafür gekämpft, dass es eine eigene Uni-Kita in Nähe des Hauptcampus gibt. Im Wintersemester soll es nun soweit sein. Trotzdem bleibt noch vieles für Studierende und Mitarbeiter_innen mit Kind mangelhaft. Immer noch fehlt es an Wickelräumen. Eine Vielzahl von Veranstaltungen finden nach 17 Uhr statt. Eine familienfreundliche Universität sollte aber ihre Veranstaltungen nach den Schließzeiten der Kitas unserer Stadt richten. Das Campuskinderzimmer ist keine Alternative nach 17 Uhr, da es ausschließlich Abschiebe- und Aufbewahrungsort ist.

Friedensuniversität Magdeburg
Bundeswehr und Militärforschung sollten an unserer Universität nichts zu suchen haben. Wir verlangen die Einführung einer Zivilklausel für den Campus und universitäre Projekte. Wir lehnen insbesondere den Militärsektor als Drittmittelgeber ab. Wissenschaft und Lehre darf sich nicht beeinflussen lassen durch militärstrategische und kriegspolitische Akteur_innen.

Geschlechtergerechte Universität
Auch in Magdeburg studieren mehr Frauen als Männer, dennoch sind Frauen im Lehrkörper weit unterrepräsentiert. Wir verlangen, dass die Universität bei ihrer Auswahl von Neueinstellungen, gerade bei der Besetzung hochdotierter Stellen, das Kriterium der Geschlechtergerechtigkeit stärker herausstellt. Des Weiteren fordern wir ein Durchbrechen der binären Geschlechtercodes und die Einführung einer Kategorie „x“ (neben „männlich“ und „weiblich“) in allen Uni-Dokumenten. Kein Mensch soll zu einer identitären Festlegung gezwungen werden. 

Kultur und Sport statt Langeweile
Zum Beginn eines neuen Semesters sind innerhalb von Minuten die Kurse des Sportzentrums überbucht. Dies macht deutlich, dass weitere Anstrengungen nötig sind, um die Angebote auszubauen. Wir werden uns auch dafür einsetzen, dass universitäre Kulturangebote mehr ausmachen als ein paar Partys und die Uni-Bigband. Des Weiteren ist ein faireres Einschreibesystem zu entwickeln. Es kann nicht sein, dass die schnellste Internetverbindung entscheidend ist.

Literatur anschaffen statt Bibliotheksfrust
Viele Studiengänge können derzeit in Magdeburg kaum auf aktuelle Fachliteratur zurückgreifen. Wir werden uns für eine bessere Ausstattung mit Büchern und Fachzeitschriften einsetzen. Wir wollen Möglichkeiten schaffen, dass Studierende sich direkt zu Beschaffungsnotwendigkeiten äußern können. Konkret stellen wir uns ein onlinebasiertes Feedback-System vor.

Lobbyismusfreie Universität
Die Freiheit der Forschung und Lehre wird massiv durch die zahlreichen Kooperationsprojekte mit der Wirtschaft und deren wachsenden Einfluß bedroht. Den Hochschulen werden durch die Interessen privater Unternehmen Ziele, Inhalte und gewünschte Resultate diktiert. Wo die Entwicklung hingeht, zeigt die Entscheidung der Landesregierung, Hochschulangelegenheiten nicht mehr dem Kultusministerium unterzuordnen, sondern ins Wirtschaftsministerium einzugliedern. Wir haben bereits 2011 dagegen angekämpft und werden das weiterhin tun, damit in Zukunft die gesellschaftliche Nützlichkeit eines Forschungsvorhabens stets einen Vorrang vor seiner bloßen wirtschaftlichen erhält.

Mindestlohn statt Ausbeutung
Viele Menschen an unserer Universität erleben tagtäglich, was es heißt, mit dem eigenen Verdienst kaum wirklich leben zu können. Dies betrifft nicht nur HiWis und zeitweilig eingekaufte Dozent_innen, sondern auch Reinigungskräfte, Sicherheitsleute und viele andere. Aber von Arbeit muss man leben und nicht nur existieren können. Deswegen fordern wir einen Mindestlohn für alle Beschäftigten.

Mobilität in Eigenregie
Das Fahrrad als Fortbewegungsmittel Nummer Eins unter Studierenden wird oftmals verkannt. Wir setzen uns deswegen für eine Fahrrad-Werkstatt mit angeschlossenem Ersatzteillager ein, in der Studierende selbst und gemeinschaftlich ihre Drahtesel fit für Magdeburgs Straßen machen können. Wir möchten die Werkstatt dabei bewusst als nichtkommerzielle Alternative zu gewerblichen Reparatur-Werkstätten etablieren, sodass auch Menschen, bei denen der Euro nicht so locker sitzt, von diesem Angebot profitieren können.

Ökologische Universität statt "nach uns die Sintflut"
Unsere Universität soll ihren Beitrag dazu leisten, das Leben auf diesem Planeten zu sichern. Wir fordern Solaranlagen auf jedem Dach, Ökostrom und Recycling (z. B. auch von Kaffeebechern), Kreislaufwirtschaft statt Ressourcenverschwendung.

Politische Bildungsarbeit statt Kaffee kochen
Die gewählte Studierendenschaft hat ein politisches Mandat für die Vertretung unserer Interessen, nur dass dieses in Magdeburg kaum genutzt wird. Bis jetzt fallen die Gremien eher durch das Veranstalten von Partys, als durch politisches Engagement auf. Wir finden es wichtig, dass unsere Universität Räume für demokratisches politisches Engagement schafft und selbst einfordert. Wir wollen studentische Gremien, die in gesellschaftlichen Auseinandersetzungen, die uns alle betreffen, klare Positionen finden.


>>> Blog von OLLi <<<

Kommentare:

  1. Schickes Logo! Und die thematischen Eckpunkte sehen auch gut aus. Wird ja auch mal Zeit für einen Wechsel.

    Für welche Gremien tritt die Liste denn an? Nur für den Studierendenrat?

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    1. Hallo Anonym,

      wir treten für den StuRa und den FasRa FGSE an. Wir freuen uns ggf. über deine Stimmen auf beiden Listen! :)

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  2. Ah, und eine inhaltliche Frage hätte ich noch: Wie ist denn eure Haltung zur Vergabe von Geldern an "studentische Projekte"? Zur Zeit geht ja ziemlich viel Geld an Projekte, die nur sehr wenigen Studierenden zugute kommen und dies mit z.T. erheblichen Eigenbeiträgen (=Exklusionsmechanismus). Das betrifft vor allem die Israel-Exkursion und die Model United Nations (MadMUN). (Ausführliche Kritik dazu unter www.exmadmun.blogsport.de)

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    1. Hallo Anonym noch mal :),

      wir finden grundsätzlich studentische Projekte fördernswert und wünschen uns ein Mehr an Selbstinitiative. Einzelne Projekte sind im Einzelfall dann zu prüfen. Das soll jetzt kein Ausweichen sein, wir halten aber eine grundsätzliche Positionierung hier für falsch...

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  3. Ne, das passt schon. Da können wir ja nach den gewonnenen Wahlen noch mal drüber diskutieren :-)

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  4. Hallo liebe Ollis.
    Ich finde es leider unschön, dass ihr genau zu der zeit einen Diskussionsabend macht, an dem auch studentenrat Sitzung ist. Bin gespannt was raus kommt.

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    1. Hallo Anonym,

      das ist uns leider auch erst später aufgefallen. Die Ergebnisse werden wir aber auf unserem Blog festhalten: http://ollimagdeburg.blogspot.de/
      Und wenn es sonst irgendwelche Fragen gibt, kannst du uns schreiben: ollimagdeburg@[sehr große Suchmaschine]mail.com :)

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