Donnerstag, 16. August 2012

Reaktion auf Leserbrief in der Volksstimme

Dass noch immer viel Arbeit in die Akzeptanz nicht-heterosexueller Partnerschaften investiert werden muss, verdeutlicht ein in der Volksstimme vom 15.08.2012 abgedruckter Leserbrief, den wir nicht unkommentiert stehen lassen können.

Eingriff in die menschliche Seele
Zu „Minister für Steuervorteile bei Homo-Ehen“, Volksstimme vom 8. August:
 Die Umdeutung unseres Grundgesetzes zugunsten einer Gleichstellung der Homo- mit der traditionellen Ehe ist ein einseitig rationaler Schachzug, der die Ebene unseres Instinkts und Gemüts rigoros übergeht. Das Urbild der Familie ist seit Jahrtausenden als Vater-Mutter-Kind in uns angelegt.
Wenn man dieses Bild aus seiner archetypischen Struktur „herausoperiert“ und durch einen rationalen Fremdkörper ersetzt, ist das ein tiefer Eingriff in die menschliche Seele, der gewaltige Umstellungen erforderlich macht. Unsere Anpassungsfähigkeit ist aber seit Jahrzehnten belastet durch die Schnelllebigkeit technischen Fortschritts, das Verblassen gemüthafter Kräfte und die Integration fremder Kulturen in unseren gewachsenen gesellschaftlichen Organismus.

Aufruf zur Teilnahme an der Gedenkkundgebung zum 4. Todestag von Rick Langenstein

(Originaltext von Magdeburg Nazifrei: http://on.fb.me/RSmzCP)

Das Bündnis gegen Rechts Magdeburg ruft alle Magdeburgerinnen und Magdeburger zu einer Gedenkstunde am Donnerstag, den 16. August 2012, für den vor vier Jahren von einem Neonazi getöteten Rick Langenstein auf. Die Kundgebung mit einer Kranzniederlegung beginnt um 16.00 Uhr am Pallasweg, Ecke Hektorweg im Stadtteil Reform. Das Bündnis Magdeburg Nazifrei schließt sich dieser Gedenkveranstaltung an und ruft ebenfalls zur Teilnahme auf.

Zum Anlass:

Samstag, 11. August 2012

Magdeburg - kleingeistig, kreativfeindlich, borniert, phantasielos?


Logo des StadtJugendRing Magdeburg e.V.
Bemerkenswertes Statement des StadtJugendRing Magdeburg e.V. (veröffentlich auf: http://www.sjr-magdeburg.de/ottoneindanke)

"An diesem Eindruck arbeiten mindestens viele Verantwortliche der Stadt kontinuierlich, konsequent und intensiv. Und viele Magdeburger und Magdeburgerinnen auch. Da nützt auch die kritikfreie Lobhudelsommerkampagne der Volksstimme nichts. Die erinnert gut an alte Zeiten. Gutsituierte Familien loben sich und die guten Bedingungen für ihre Kinder. Diese werden wohl aus Magdeburg abhauen, sobald sie können. Denn die jugendlichen Lebenswelten interessieren diese Stadt meist nicht. Vor allem immer dann nicht, wenn sie an den engstirnigen und eingefahrenen Erwachsenenhorizonten rütteln und neue Gestaltungsformen suchen. Jugend ist hier immer dann genehm, wenn sie ordentlich, leise, duckmäuserisch und erwachsenenkonform durch die Stadt schleicht. Zum Beispiel wenn sie sich artig zu ergebnisfreien Diskussionsabenden ins Rathaus trollt. Die Stadt gehört doch eigentlich den Menschen, die hier wohnen - oder? In Magdeburg nicht! 

Donnerstag, 9. August 2012

"Noch heute habe ich Gänsehaut, wenn ich daran zurückdenke" (Infoveranstaltung vom 08.08.)

Die Pogrome von Rostock-Lichtenhagen (1992) markierten die schwersten rassistischen Ausschreitungen seit Ende des II. Weltkrieges. Ein Mob von über 3000 Menschen versammelte sich tagelang vor dem "Sonnenblumenhaus" in der Mecklenburger Allee, welches als Unterkunft für Asylbewerber*innen und Vertragsarbeiter*innen, insbesondere aus Vietnam, diente. Während sich die Polizei, dem Mob gegenüber zahlenmäßig deutlich unterrepräsentiert, zurückhielt und später auch zurückzog, konnten Neonazis und Rassist*innen unbehelligt Molotow-Cocktails werfen, in das Gebäude eindringen und Wohnung für Wohnung abfackeln und zerstören. Die im Gebäude befindlichen Menschen standen Todesängste aus. Einige bereiteten sich schon auf den Sprung vom Dach des Gebäudes vor, sollten sie Angreifer*innen bis zu ihnen vordringen. 

Dienstag, 7. August 2012

Protestaktionen gegen "Deutschlandfahrt" der NPD in Sachsen-Anhalt

Seit dem 23. Juli tourt die Neonazi-Partei NPD mit ihrem in militantem Selbstverständnis als "Flaggschiff" bezeichneten Wahlkampf-LKW durch Deutschland. Trotz der Misserfolge in allen bisher besuchten Städten (4 bis 24 eigene Anhänger*innen standen jeweils 100 bis 850 Gegendemonstrant*innen gegenüber) will man die Verbreitung rassistischen und menschenverachtenden Gedankengutes fortsetzen und dabei auch Sachsen-Anhalt nicht verschonen. So steht für den heutigen Dienstag ein Termin um 16:00 Uhr vor der Ulrichskirche in Halle auf dem Plan. Das Bündnis 'Halle gegen Rechts - Bündnis für Zivilcourage' hat bereits zu Gegenaktionen aufgerufen:

Freitag, 3. August 2012

Der elfte CSD in Magdeburg

Noch bis in die Mitte der 1960-er Jahre war es üblich, dass die Polizei in den Vereinigten Staaten Razzien in Schwulenbars oder einschlägigen Nachtclubs durchführte. Sie verhaftete dabei willkürlich Anwesende, machte deren Identiät öffentlich und outete sie damit als homosexuell, was im prüden Amerika zu dieser Zeit den Verlust des gesellschaftlichen Ansehens der betroffenen Person bedeutete. Als am 28. Juni 1969 erneut eine polizeiliche Razzia in der Szene-Bar »Stonewall Inn« in der Christopher Street in New York durchgeführt werden sollte, widersetzten sich die Homosexuellen gewaltsam der Schikanierung durch das Staatsorgan. Es folgten tagelange Ausschreitungen, in denen sich die angestaute Wut der Homosexuellen über die repressive Wirklichkeit entlud, während die Polizei sogar Spezial- und Eliteeinheiten zur Aufstandsbekämpfung, wie die Tactical Patrol Force, die sonst zum Niederschlagen von Anti-Vietnam-Demonstrationen eingesetzt wurde, auffuhr.

Dieser Tag markiert den Anfang der Schwulen- und Lesbenbewegung und wird heute überall über den Globus, in jeder größeren Stadt als Akt der Emanzipation und Kampf für Egalität, Akzeptanz und Recht gefeiert.
Auch in Magdeburg wird zum nunmehr elften Mal den Aufständen der Homosexuellen mit der Austragung des Christopher Street Days, kurz CSD, gedacht.